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Behandlungsmethoden



| Viel trinken! |
Um die Toilettengänge zu reduzieren, trinken viele Betroffene zu wenig. Das ist falsch! Nieren, Blase und Harnröhre werden dadurch nicht ausreichend durchgespült – es drohen Infektionen. Zudem verstärkt sich die Inkontinenz, da die Blase an eine geringere Füllmenge gewöhnt wird. Trinken Sie mindestens 2 Liter pro Tag.
Je nach Ursache der Blasenschwäche muss zuerst die Grunderkrankung behandelt werden. Im Falle von hormonellen Veränderungen, Blasensteinen oder einer schwachen Beckenbodenmuskulatur bringt eine entsprechende Behandlung rasch den gewünschten Erfolg. Ist eine Therapie nicht möglich, weil Krankheiten wie Multiple Sklerose oder Rückenmarksverletzungen unheilbar sind, lassen sich zumindest die Symptome so weit lindern, dass sich der Bedarf an Hilfsmitteln wie Einlagen oder Slips deutlich reduzieren lässt. Häufig verspricht beispielsweise ein Mix aus medikamentöser Therapie und entsprechendem Verhaltenstraining ein nahezu beschwerdefreies Leben.

Physikalische Therapie

Die häufigste Ursache für Belastungsinkontinenz bei Frauen ist ein schwacher Beckenboden. Durch gezieltes Training unter fachkundiger Anleitung und später auch allein können Sie die Muskulatur kräftigen, so dass die Blase bei körperlicher Belastung wieder dicht verschlossen ist. Wenn Sie Übergewicht haben, sollten Sie dringend abspecken, da die überflüssigen Pfunde den Beckenboden zusätzlich belasten.

Kontrolle über die Blase verbessern

Da die Dranginkontinenz seltener auf eine organische Störung als Auslöser zurückzuführen ist, gilt es hier in erster Linie, die Symptome zu bekämpfen. Neben der medikamentösen Behandlung, die bei beiden Formen der Dranginkontinenz eine zentrale Rolle spielt, kommen in leichten Fällen auch pflanzliche Mittel und Tees zum Einsatz. Mit einem gezielten Blasentraining können Sie zudem die Kontrolle über Ihre Blase verbessern und die Abstände zwischen den Toilettengängen verlängern. Vor und während des Trainings ist es hilfreich, ein Miktionstagebuch zu führen. Bei einer Reflexinkontinenz ist der Behandlungserfolg nur schwer abzusehen, da die Nerven im Rückenmark unterbrochen sind. Mit Hilfe des Klopftrainings wird die Blase in regelmäßigen Abständen zur Kontraktion gezwungen. Ziel ist die vollständige Entleerung der Blase, um Infektionen vorzubeugen. Da bei einer Überlaufinkontinenz in der Regel Hindernisse wie Harnsteine oder eine vergrößerte Prostata die Harnröhre verengen, steht hier die Beseitigung der Ursache bei der Behandlung im Vordergrund.


Medikamentöse Behandlung

Parallel zum Blasentraining gehört die medikamentöse Be-handlung zur Standardtherapie bei Dranginkontinenz. Die Medikamente, die dabei zum Einsatz kommen, gehören zur Gruppe der sogenannten Anticholinergika und sorgen für eine Entspannung der Blasenmuskulatur. Durch den verringerten Druck lässt der starke Harndrang nach und die Blase kann wieder mehr Urin speichern. Die Wirksamkeit von Anticholinergika ist wissenschaftlich belegt. Zu den typischen Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit, Magen-Darm-Störungen und trockene Haut. Da fast alle bei Blasenschwäche verordneten Anticholinergika die Blut-Hirnschranke passieren, kann das zu zentralnervösen Nebenwirkungen wie Schwindel, Verwirrtheit oder Müdigkeit führen. Im Vergleich zu den typischen Nebenwirkungen kommen zentralnervöse Nebenwirkungen zwar seltener vor, doch gerade bei älteren Patienten empfiehlt es sich, diese möglichst auszuschließen, da die Symptome leicht mit einer beginnenden Demenz verwechselt werden könnten. Der Wirkstoff Trospiumchlorid gelangt auf Grund seiner chemischen Struktur nicht ins Gehirn.

| Erfolgsaussichten |
Heutzutage sind 90 Prozent aller Fälle von Inkontinenz heilbar. Eine schwache Blase ist also kein Schicksal mehr!


| Nur in schweren Fällen |
Manchmal hilft nur eine Operation. Dabei werden Blase und Harnröhre angehoben und der Beckenboden gestrafft. Der Eingriff kann durch Scheide oder Bauchdecke erfolgen.

Bei der Reflexinkontinenz ist die Verständigung zwischen Gehirn und Blase gestört, so dass unkontrollierbare Nervenreflexe zur plötzlichen Entleerung der Blase führen. Auch bei dieser Form der Blasenschwäche werden Anticholinergika verabreicht, die die spontanen Aktivitäten der Blasenmuskulatur hemmen. Wirkstoffe aus der Gruppe der Alpha-Rezeptorenblocker lockern bei der Überlaufinkontinenz den Blasenverschluss und sorgen für die notwendige Entleerung der Blase. Umgekehrt gibt es Medikamente, die bei einer Belastungsinkontinenz den Schließmechanismus der Blase stärken. Durch die Verabreichung von Östrogenen in Form von Vaginalzäpfchen kann die Blasenschwäche bei Frauen, wenn sie durch einen Hormonmangel in den Wechseljahren hervorgerufen ist, ebenfalls behandelt werden.

Die PRISCUS-LISTE

In der "Priscus-Liste" haben Wissenschaftler Wirkstoffe zusammengestellt, die für ältere Menschen bedenklich sein können. Folgende Substanzen aus der Gruppe der Anticholinergika zur Behandlung von Inkontinenz gehören dazu. Es werden Therapiealternativen benannt.

Mögliche Nebenwirkungen der Wirkstoffe Oxybutynin und Tolterodin:

  • Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit
  • anticholinerge Effekte

Mögliche Nebenwirkungen des Wirkstoffs Solifenacin:

  • anticholinerge Effekte, insbesondere Mundtrockenheit, Magen-Darm-Beschwerden

Therapiealternativen:

  • Trospiumchlorid
  • nicht medikamentöse Therapien

Maßnahmen, falls die betreffenden Arzneistoffe trotzdem zum Einsatz kommen:

  • klinische Kontrolle der Funktionen des zentralen Nervensystem
  • Beobachtung neurologischer und kognitiver Leistungen
  • Beobachtung der anticholinergen Effekte
  • regelmäßige Kontrolle der Nieren- und Leberfunktion
  • Kontrolle des Blutbilds
  • EKG-Kontrolle
  • ggf. Dosisanpassung

Operative Verfahren

Wenn Blasensteine, eine vergrößerte Prostata, Tumore oder Blasenfisteln die Inkontinenz ausgelöst haben, müssen diese Hindernisse operativ entfernt werden. In allen anderen Fällen kommt eine Operation nur dann in Betracht, wenn konventionelle und medikamentöse Behandlungsmethoden fehlgeschlagen sind und eine gesicherte Diagnose vorliegt. Bei schwerer Belastungsinkontinenz besteht die Möglichkeit, das Bindegewebe des Beckenbodens zu straffen, wobei dieser Eingriff nach ein paar Jahren eventuell wiederholt werden muss. Ist ein Absenken der Blasenorgane für die Inkontinenz verantwortlich, können Blase und Harnröhre angehoben werden, um die ursprüngliche Lage wiederherzustellen. Bei einer Harnröhrenunterspritzung werden Kunststoffe oder Bindegewebssubstanzen um die Harnröhre im Bereich des Blasenhalses gespritzt. Dieser zusätzliche Druck verbessert die Verschlussfähigkeit der Blase. Die TVT-Operation (Tension-free Vaginal Tape) lässt sich sogar bei örtlicher Betäubung vornehmen. Um den Druck in der Harnröhre zu erhöhen, können Blasenhals und Harnröhre auch mit Schlingen im Bauchraum befestigt werden.

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