Im Vergleich zum Mann weist die Frau eine deutlich kürzere Harnröhre
auf, was die Gefahr von Blasenentzündungen erhöht. Beim Mann ist auf
die Lage der Prostata hinzuweisen, die die Harnröhre umschließt und diese
bei einer Vergrößerung auch verschließen kann.
Als Kläranlagen unseres Körpers produzieren die Nieren kontinuierlich
Urin, der über die Harnleiter in die Blase geleitet und
dort gesammelt wird. Dehnbar wie ein Luftballon, besitzt die
Blase ein Fassungsvermögen von bis zu einem Liter. Im Normalfall
verspüren wir bereits bei einem Füllvolumen von 300
bis 600 Millilitern einen starken Harndrang, dem wir möglichst
rasch nachgeben möchten und müssen. Für die Steuerung der
Blasentätigkeit sind in erster Linie der Blasenmuskel (Detrusor)
sowie ein inneres und äußeres Verschlusssystem, zu dem auch
die Beckenbodenmuskulatur gehört, zuständig. Die Entleerung der Blase ist ein aktiver und bewusster Vorgang. Das bedeutet,
dass wir den Zeitpunkt selbst bestimmen, zu dem wir eine
Toilette aufsuchen. Dieselben Muskeln, die in der Sammelphase
dafür sorgen, dass die Blase verschlossen bleibt, leiten
nun den Urin in die Harnröhre und von dort nach draußen.
An der Koordination dieser komplizierten Abläufe sind alle
drei Komponenten des Nervensystems beteiligt: Der Sympathikus
ist für die Speicherfunktion und der Parasympathikus
für die Entleerung der Harnblase verantwortlich. Gemeinsam
bilden sie das vegetative Nervensystem, das wir nicht beeinflussen
können. Die An- und Entspannung der Muskulatur,
die letztlich den konkreten Vorgang des Wasserlassens einleitet,
erfolgt über das willkürliche Nervensystem.
Auch wenn ältere Menschen überproportional
betroffen sind, ist Harninkontinenz keine zwangsläufige Alterserscheinung.
Es kann jeden und in jedem Alter treffen. Allerdings besteht ein
Zusammenhang zwischen Demenz und Blasenschwäche durch den Verlust
der bewussten Körperkontrolle, aber auch durch die Einnahme spezieller
Medikamente beispielsweise gegen Alzheimer. Eine allgemeine Verbesserung
der körperlichen und geistigen Mobilität ist das beste Mittel gegen
ungewollten Harnverlust.
Ist dieser Kreislauf gestört, kann das zu einer Blasenschwäche
führen. Dann können wir den Zeitpunkt der Blasenentleerung
nicht mehr willentlich bestimmen und verlieren die Fähigkeit,
Urin zurückzuhalten. Harninkontinenz, so der medizinische
Fachbegriff, ist jedoch keine Krankheit, sondern ein funktionelles
Problem, das verschiedene Ursachen haben kann.
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