Presse    Kontakt    Mitgliedschaft    Impressum    Datenschutz    , 04.09.2010   





















Blasenschwäche bei gutartiger Prostatavergrößerung

Die gutartige Prostatavergrößerung - Ursachen

Als Teil der inneren Geschlechtsorgane des Mannes produziert die Prostata – auch Vorsteherdrüse genannt – ein milchiges Sekret, welches für Beweglichkeit und Transport der Spermien bei der Ejakulation sorgt und somit einen Großteil der Samenflüssigkeit ausmacht. Die Drüse liegt unterhalb der Harnblase und umschließt den ersten Abschnitt der Harnröhre. In der Pubertät wächst die Prostata, bis sie die Größe einer Kastanie erreicht hat. Danach stoppt das Wachstum.

Bliebe es dabei, würde die Prostata im Alter nicht so viele Probleme verursachen. Doch bei jedem zweiten Mann setzt zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr noch einmal ein Zellwachstum des Prostatagewebes ein. Eine vergrößerte Prostata kann auf Blase und Harnröhre drücken und zu verschiedenen Störungen beim Wasserlassen (= Miktion) führen. Die gutartige Prostatavergrößerung (med.: benigne Prostatahyperplasie/BPH) ist die häufigste Erkrankung bei Männern: Fast die Hälfte der über 50-Jährigen und nahezu 80 Prozent der über 80-Jährigen sind betroffen, wobei nicht jede vergrößerte Prostata automatisch Beschwerden bereitet.

Warum die Vorsteherdrüse im fortgeschrittenen Alter noch einmal wächst, ist bisher nicht bekannt. Als wahrscheinlichste Ursache werden hormonelle Veränderungen als Begleiterscheinung des Alterungsprozesses diskutiert.

Symptome, Stadien und mögliche Komplikationen

Bevor die Vergrößerung der Prostata (siehe Kasten rechts) Beschwerden verursacht, können Jahre vergehen. Je nach Schweregrad der Symptome wird die benigne Prostatahyperplasie in drei Stadien unterteilt:

1. Stadium (= Reizstadium)

Noch kann der erhöhte Abflusswiderstand, den die vergrößerte Prostata bewirkt, durch die Blasenmuskulatur kompensiert werden. In diesem Stadium äußern sich die Beschwerden durch einen abgeschwächten Harnstrahl, der in den meisten Fällen mit einer Verzögerung der Blasenentleerung einhergeht, sowie häufiges Wasserlassen, in erster Linie nachts. Auch wenn noch kein Restharn in der Blase zurückbleibt, beklagen viele Männer in dieser Phase bereits ein Nachtröpfeln am Ende der eigentlichen Blasenentleerung.

2. Stadium (= Restharnbildung)

Die Harnröhre ist jetzt so stark eingeengt, dass die Blasenmuskulatur den erhöhten Druck nicht mehr ausgleichen kann. Das hat zur Folge, dass sich die Blase nicht mehr vollständig entleert. Bleibt jedoch Urin in der Blase zurück, können sich Krankheitskeime ansiedeln und zu Harnwegsinfekten oder sogar gefährlichen Nierenbeckenentzündungen führen. Durch den Restharn und die permanente mechanische Reizung der Blase, die die vergrößerte Prostata verursacht, ziehen sich die Blasenmuskeln bereits bei einer geringen Füllmenge zusammen, so dass der Betroffene unter ständigem Harndrang leidet.

In diesem fortgeschrittenen Stadium kann es zudem zu Blasensteinen und einer Dranginkontinenz kommen. Diese Form der Blasenschwäche geht mit unfreiwilligem Urinverlust und damit einer starken Einschränkung der Lebensqualität einher.


| Erst mal abwarten |
Bei 30 Prozent der Männer, die wegen Prostatabeschwerden einen Arzt aufsuchen, genügen zu Beginn das aktive Beobachten der Symptome und regelmäßige Kontrolluntersuchungen. Die meisten Männer kommen mit leichten bis mittelschweren Symptomen auch ohne Therapie ganz gut zurecht.
3. Stadium (= Dekompensation)

In diesem Stadium bleibt immer mehr Restharn in der Blase zurück. Der Blasenmuskel hat nicht mehr genügend Kraft, um die Blase zu entleeren, die sich stetig füllt und erst bei hohem Druck Urin abgibt. Das führt zu einem unkontrollierten Überlaufen der Blase (= Überlaufinkontinenz), wobei auch der unfreiwillige Urinverlust nur tropfenweise erfolgt. Der Urinstau kann sich in der Harnblase nach oben in die Nieren fortsetzen und diese nachhaltig schädigen. Ein völliger Verschluss der Harnröhre, der sogenannte Harnverhalt, ist ein Notfall, der sofort behandelt werden muss, um akutes Nierenversagen zu verhindern. Dabei wird der Harn mit Hilfe eines Katheters abgeleitet.

Einschränkungen der Lebensqualität werden individuell sehr unterschiedlich erlebt.

Nicht immer steht die Größe der Prostata in direktem Zusammenhang mit dem Grad der Beschwerden. Es gibt Männer, die trotz stark vergrößerter Prostata nur geringe Symptome aufweisen, während anderen eine nur leicht vergrößerte Prostata schon große Probleme bereitet. Auch durchläuft nicht jeder Patient zwangsläufig alle drei Stadien. Wie sehr sich jemand durch die Krankheitszeichen in seiner Lebensführung beeinträchtigt fühlt, ist individuell sehr unterschiedlich. Trotzdem sollten regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen – bzw. bei bereits bestätigter Diagnose Kontrolluntersuchungen – durchgeführt werden, um behandlungsbedürftige Veränderungen rechtzeitig zu erkennen.

Behandlungsmethoden – Stufenplan je nach Schweregrad der Symptome

Welche Behandlung bei einer gutartigen Prostatavergrößerung letztlich in Frage kommt, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind, wie sehr sich der Betroffene in seiner Lebensführung eingeschränkt fühlt und wie groß das Risiko für Komplikationen ist. Die folgenden Therapieansätze orientieren sich daher an den unterschiedlichen Stadien und den Symptomen der benignen Prostatahyperplasie, wie sie oben vorgestellt wurden.

Kontrolliertes Zuwarten

Bei geringfügigen Beschwerden ist eine Behandlung zunächst meist nicht erforderlich. In diesen Fällen wird die Strategie des kontrollierten Zuwartens gewählt. Dabei werden die Patienten umfassend über die Erkrankung und den möglichen weiteren Verlauf aufgeklärt und bekommen Tipps zum Umgang mit den Symptomen.

Medikamentöse Therapie
  • Pflanzliche Mittel
  • Leichte Beschwerden lassen sich oft mit pflanzlichen Arzneimitteln (= Phytotherapeutika) lindern. Dabei kommen in erster Linie folgende Pflanzenextrakte zum Einsatz:

    • Afrikanische Lilie (Hypoxis rooperi)
    • Sägezahnpalme (Serenoa repens)
    • Brennnesselwurzel (Radix urtica dioica)
    • Kürbissamen (Cucurbita pepo)
    • Roggenpollen (Secale cereale)

    Pflanzlichen Präparaten wird ein entzündungshemmender und reizlindernder Effekt zugesprochen. Allerdings stehen wissenschaftlich gesicherte Studien zum therapeutischen Nutzen bislang noch aus.

  • Chemische Mittel

  • | Kombination |
    Neue Studien weisen darauf hin, dass sich bei einer hyperaktiven Blase und gleichzeitigem Vorliegen von Blasenentleerungsstörungen eine Kombinationstherapie mit Anticholinergika empfiehlt. Bei dieser Therapie ist die regelmäßige Restharnbestimmung angezeigt.

    Stellt sich keine Besserung ein bzw. verschlimmern sich die Symptome im weiteren Verlauf der Erkrankung, werden chemisch hergestellte Medikamente zur Linderung der Beschwerden verschrieben. In der Regel handelt es sich dabei um Alphablocker oder 5-Alpha-Reduktasehemmer. Erstere entspannen die glatte Muskulatur der Prostata, erleichtern das Wasserlassen und verringern eventuellen Restharn. Meist zeigt sich bereits innerhalb weniger Tage eine deutliche Besserung der Beschwerden. Als Nebenwirkungen können Alphablocker (z. B. Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin, Terazosin) Kopfschmerzen, Benommenheit oder Blutdruckabfall hervorrufen. Darüber hinaus haben Alphablocker keinerlei Einfluss auf das weitere Wachstum der Prostata.

    Ganz im Unterschied dazu zielen die 5-Alpha-Reduktasehemmer (Dutas terid, Finasterid) darauf ab, die Prostata zu verkleinern. Durch die Blockierung des Enzyms Reduktase wird weniger prostataspezifisches Testosteron produziert und dadurch das Zellwachstum in der Prostata verlangsamt. In Langzeitstudien wurde eine Prostataverkleinerung von bis zu 30 Prozent nachgewiesen. Allerdings dauert es mindestens ein halbes Jahr, bis die Medikamente spürbar wirken. Außerdem müssen sie dauerhaft eingenommen werden, da die Prostata wieder wächst, sobald man die Tabletten absetzt. Als Nebenwirkungen können Kopfschmerzen, allgemeine Schwäche, Libido- und Erektionsprobleme auftreten.

    Um möglichst rasch Linderung zu erzielen und das Wachstum der Prostata zu stoppen, kann auch eine Kombination aus beiden Wirkstoffgruppen gleichzeitig eingesetzt werden.

    Bei Dranginkontinenz helfen Anticholinergika

    Da eine vergrößerte Prostata bei Männern die häufigste Ursache für die Entwicklung einer Dranginkontinenz ist, kommt bei quälendem Harndrang und/oder ungewolltem Urinverlust auch die ergänzende Behandlung mit Anticholinergika in Betracht. Diese Medikamente sorgen für eine Entspannung der Blasenmuskulatur, die dadurch wieder mehr Urin speichern kann. Zu den typischen Nebenwirkungen gehören Mundtrockenheit oder Magen-Darm-Beschwerden. In seltenen Fällen können bei einigen Wirkstoffen auch zentralnervöse Störungen in Form von Müdigkeit, Schwindel, Verwirrtheit, Angstzuständen oder sogar Halluzinationen auftreten. In ihrer Wirkung unterscheiden sich die Arzneistoffe wie Oxybutynin, Solifenacin, Tolterodin oder Trospiumchlorid kaum, wohl aber im Umfang der Nebenwirkungen. Ihr behandelnder Arzt kann Ihnen darüber Auskunft geben.

Operative Verfahren

| Lebensqualität |
Wen die BPH in seiner Lebensqualität so stark einschränkt, dass er nicht mehr verreisen, Konzerte besuchen oder Sport treiben mag bzw. kann, sollte sich mit dem Gedanken an eine Operation vertraut machen. Besprechen Sie diese Option mit Ihrem Arzt.

Bringt die medikamentöse Therapie keine Erleichterung mehr oder treten ernsthafte Komplikationen wie obere Harnwegsstauungen, Nierenschädigungen oder wiederkehrende Harnverhalte auf, kann das einen operativen Eingriff erforderlich machen. Dieser wird auf keinen Fall leichtfertig vorgenommen! Nur etwa ein Fünftel aller Patienten mit einer gutartigen Prostatavergrößerung muss sich einer Operation unterziehen. Dabei wird im Einzelfall entschieden werden, welches Verfahren in Frage kommt. Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich und hat unter anderem mit der Größe der Prostata, dem persönlichen Leidensdruck, dem Alter des Betroffenen, Vorerkrankungen und der Gesamtkonstitution zu tun. Lassen Sie sich ausführlich von Ihrem Urologen beraten und holen Sie ggf. eine zweite Meinung ein.

Allen der nachfolgend vorgestellten OP-Techniken gemeinsam ist, dass die Prostata nicht entfernt, sondern nur verkleinert wird, damit sie nicht mehr auf Blase und Harnröhre drückt.

  • Transurethrale Resektion (TURP)
  • Als Standardverfahren gilt nach wie vor die transurethrale Resektion (TURP), die in der Regel zu sehr guten Ergebnissen führt. Dabei wird eine elektrische Schlinge durch die Harnröhre zur Prostata geführt und das überflüssige Gewebe entfernt. Die Resektion dauert etwa eine Stunde, wobei die Betäubung über das Rückenmark erfolgt. Eine Vollnarkose ist nur in seltenen Fällen notwendig. Nach einer TURP besteht das Risiko einer Blutung, als Spätfolgen können Harninkontinenz durch eine Verletzung der Blase, Erektionsstörungen oder eine Harnröhrenverengung aufgrund von Narbengewebe auftreten. Relativ häufig ist der rückwärts gerichtete Samenerguss (= retrograde Ejakulation). Dabei wird der Samen nicht durch die Harnröhre, sondern in die Blase geleitet und beim nächsten Urinieren ausgeschieden. Das sexuelle Empfinden ist dadurch nicht beeinträchtigt, wohl aber die Fruchtbarkeit. Eine äußerst seltene, aber schwerwiegende Komplikation ist das TUR-Syndrom, bei dem die Spülflüssigkeit, die während der Operation verwendet wird, in den Blutkreislauf gelangt und zu Herz-Kreislauf-Beschwerden führen kann.

    Da die TURP trotz dieser möglichen Komplikationen die besten Langzeitergebnisse aufweist, werden acht von zehn Männern nach dieser Methode operiert.

  • Laserbehandlung
  • Die Lasertherapie beruht auf dem Prinzip der Wärmeabgabe. Dabei bringt die Energie des Laserstrahls das überschüssige Gewebe zum Verdampfen. Mit dem leistungsstärkeren Diodenlaser lässt sich in der gleichen Zeit mehr Gewebe abtragen als mit dem älteren Greenlight-Laser. Im Unterschied zur Resektion handelt es sich bei der Lasertherapie um ein schonendes (= minimal-invasives) Verfahren, das nur eine leichte Narkose und einen kurzen Krankenhausaufenthalt erfordert. Auch der Blutverlust ist sehr viel geringer, weil der Laser zugleich die Blutgefäße verschließt. Deshalb eignet sich diese OP-Technik besonders für ältere Patienten und solche mit Blutgerinnungsstörungen. Allerdings sind die Ergebnisse nicht so gut wie die herkömmlicher Operationsmethoden. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, nach einiger Zeit erneut operiert werden zu müssen. Da die Lasertherapie zudem sehr teuer ist, wird sie nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.

  • Offene Operation
  • Bei einer stark vergrößerten Prostata würde das Abtragen des Gewebes durch die Harnröhre zu lange dauern und ein unnötiges Risiko darstellen. In diesen seltenen Fällen kann daher eine offene Operation ratsam sein. Das bedeutet, dass das überflüssige Gewebe nach einem Schnitt durch die Bauchdecke entfernt wird. Dieser komplexe Eingriff erfolgt unter Vollnarkose, die Risiken sind vergleichbar mit denen der Resektion, allerdings ist die Gefahr von Nachblutungen deutlich höher. Generell erfordert die offene Prostataoperation eine längere Rekonvaleszenz und eine intensivere Nachsorge.

    Der Heilungsprozess erfordert Geduld und sollte ärztlich begleitet werden!

    In den ersten Tagen und Wochen nach einem Eingriff kann es je nach Operation zu leichten Blutungen, Problemen beim Wasserlassen und Wundschmerz kommen. Bis zur vollständigen Genesung vergehen unter Umständen einige Monate. Haben Sie Geduld und nehmen Sie die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wahr, um sicherzustellen, dass der Heilungsprozess wunschgemäß voranschreitet und die Prostataverkleinerung den erhofften Erfolg gebracht hat.

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