Nach der Uhr auf die Toilette?

Schwache Blase kann trainiert werden

Bonn, 18.11.19 Viele Menschen mit schwächelnder Blase gehen mehrmals am Tag vorsorglich zur Toilette, auch wenn sie nicht müssen. Damit erreichen sie genau das Falsche: Durch die häufigen vorzeitigen Toilettengänge gewöhnt sich die Blase an kleine Füllmengen und meldet sich immer früher. Doch dagegen lässt sich etwas tun.

Ein häufiger, plötzlich einsetzender Harndrang ist das typische Symptom einer überaktiven Blase. Die Betroffenen haben ständig Sorge, dass sie es nicht rechtzeitig zur Toilette schaffen. Daher neigen sie dazu, bei jeder Gelegenheit die Blase zu entleeren, auch wenn sie kaum gefüllt ist. Auf diese Weise wird die Regulationsstörung der Blasenfunktion verschärft und die Blasenkapazität nimmt immer weiter ab. Mit einem gezielten Blasentraining können die Betroffenen gegensteuern.

Blasentraining

Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt vereinbaren die Patienten feste Toilettenzeiten. Die Abstände werden so gewählt, dass die Betroffenen dem Harndrang für kurze Zeit widerstehen müssen, bevor sie ihre Blase entleeren dürfen. Das ist nicht ganz einfach, aber mit ein paar Tricks kommen viele Patienten damit zurecht. Am besten ist es, während dieser Zeit zu sitzen und sich abzulenken, etwa durch Rückwärtszählen. Die Abstände zwischen den Toilettenzeiten werden schrittweise vergrößert. So gewöhnt sich die Blase nach und nach an größere Urinmengen und der Harndrang setzt seltener und weniger plötzlich ein. Ein Blasentraining ist vor allem für ältere Patienten und ihre Angehörigen oder Pflegepersonen eine Herausforderung. Konsequent durchgeführt, kann es aber sehr wirksam sein.

Toilettentraining

Für Patienten mit nachlassender Merkfähigkeit oder erheblichen Bewegungseinschränkungen eignet sich ein Blasentraining nicht. Sie sollten stattdessen ein Toilettentraining durchführen. Mit Unterstützung durch eine Pflegeperson erlaubt diese Methode selbst sehr alten oder demenzkranken Patienten einen würdevollen Umgang mit der Blasenschwäche. Denn anstatt nur auf Inkontinenzvorlagen zu setzen, suchen die Betroffenen zu festen Zeiten die Toilette auf. Anders als beim Blasentraining werden die zeitlichen Abstände so gewählt, dass es gar nicht erst zu dem typischen überfallartigen Harndrang kommt. Diese Vorgehensweise vermittelt den Patienten das Gefühl, die Blasenfunktion selbst zu kontrollieren.

Beckenbodentraining

Der Beckenbodenmuskel ist der Verschlussapparat der Blase. Ist er durch jahrelange Belastung, Geburten, Übergewicht oder chronischen Husten geschwächt, hält er nicht zuverlässig dicht. Wenn hoher Druck auf den Bauchraum ausgeübt wird, etwa beim Niesen, Joggen oder durch plötzlich einsetzenden starken Harndrang, können ungewollt ein paar Tropfen Urin verloren gehen. Ein Beckenbodentraining ist daher vorbeugend und therapiebegleitend auf jeden Fall zu empfehlen. Für jedes Alter und beinahe jeden Gesundheitszustand gibt es wirkungsvolle Übungen. Beispiele hält die Deutsche Seniorenliga auf der Website www.dsl-blasenschwaeche.de unter der Rubrik „Tipps" bereit.

Weiterführende Informationen zur Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der verschiedenen Formen der Blasenschwäche enthält außerdem die Broschüre „Mit der Blasenschwäche leben". Sie kann kostenfrei bei der Deutschen Seniorenliga bestellt oder von der Website heruntergeladen werden: DSL e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn, www.dsl-blasenschwaeche.de.